Panikmache oder Vorsorge - Was ist beim Coronavirus anders?


10.03.20

Panikmache oder Vorsorge - Was ist beim Coronavirus anders?

von Kurt J. Heinz

(MEDRUM)  Sind die Maßnahmen wegen des Coronavirus reine Panikmache oder gebotene Vorsorge? Ist es überzogen, dass Italien jetzt zur Sperrzone erklärt wurde, oder handelt es sich dabei um einen Akt der Vernunft? 

ImageItalien zur Sperrzone erklärt

Das südeuropäische Nachbarland hat bis Montag bereits 466 Tote zu beklagen und wird jetzt zur "Sperrzone". Die italienische Regierung hat entschieden, die Bewegungsfreiheit im gesamten Land massiv einzuschränken.  Es soll nur noch beruflicher und Versorgungsverkehr erlaubt sein. Fahrten zu Freizeitveranstaltungen sind untersagt. Fußballspiele können entweder gar nicht oder müssten in leeren Stadien stattfinden. Der Vatikan hat heute Vormittag sogar den Petersplatz und Petersdom für Touristen bis 3. April gesperrt (Bild links, Vatican News).

Maßnahmen gegen Verbreitung

Auch in Deutschland sind Regierung und Behörden wegen des Coronavirus besorgt und haben bereits weitreichende Maßnahmen getroffen. Große Messen wie die Leipziger Buchmesse wurden bereits abgesagt oder verschoben. Veranstaltungen mit 1000 oder mehr Personen sollen nicht mehr stattfinden. Auch in Deutschland könnten demnach am nächsten Wochenende keine Fußballspiele mehr stattfinden. Als Begründung für solche Einschnitte wird gesagt, das Hauptziel sei es, die Verbreitung des Virus zu verlangsamen, um die Funktion des Gesundheitssystems gewährleisten zu können. Bei einer ungebremsten Verbreitung wäre demnach zu befürchten, dass die Gesundheitsversorgung der Erkrankten nicht mehr gewährleistet werden kann, weil dann womöglich nicht genug Intensivbetten zur Verfügung stehen könnten. Dies könnte sich noch verschärfen, wenn die derzeit noch laufende Grippewelle mit einer großen Zahl von Coronaerkrankten zusammentreffen würde.


ImageEinwände

Es wird mitunter eingewendet, dass die Gründe für weitreichende Maßnahmen fraglich seien. Schließlich seien wir jedes Jahr mit der Grippewelle konfrontiert und dort seien auch immer wieder viele Tote zu beklagen. Diese Einwände scheinen, vordergründig betrachtet, berechtigt. Doch sie halten genauer Prüfung nicht stand. Ein Vergleich wichtiger epidemiologischer Einflussgrößen zwischen Influenzaviren und dem Coronavirus (Bild links, symbolhafte Grafik des Coronavirus desease 2019) stößt auf ganz erhebliche Unterschiede und zeigt die große Gefährlichkeit des Coronavirus .

Vergleich Influenzagrippe und Covid-19

Influenzaviren Coronavirus (gem. aktuellem Erkenntnisstand)
Inkubationszeit:  1/2 Tag bis 3 Tage im Durchschnitt 5-6 Tage, bis 14 Tage
Übertragung ab Ausbruch von Krankheitssymptomen bereits vor Ausbruch von Krankheitssymptomen
Übertragung bis 5 - 7 Tage 10 - 14 Tage
Überlebensdauer bis mehrere Stunden mehrere Stunden bis 2 - 3 Tage
Herdenimmunität erreichbar durch Impfung keine
Medikamente vorhanden noch nicht vorhanden
Sterblichkeitsrate 0,1-0,2 % 1-2 %
Vorbeugung Impfschutz kein Impfstoff

Großes Schadensrisiko für die Menschen

Aufgrund dieser Kenngrößen, soweit sie beim Coronavirus schon ausreichend erforscht sind, besteht ein großes Schadensrisiko für die Bevölkerung, wenn keine ausreichende Vorsorge getroffen wird. Dies umfasst die flächendeckenden Vorkehrungen im Gesundheitssystem genauso wie das individuelle Verhalten der Menschen im Alltag und die Absage von großen oder auch weniger großen Veranstaltungen sowie die Entscheidung, daran nicht teilzunehmen.

Hoch gefährdet sind vor allem ältere Menschen und Menschen, die chronische Erkrankungen haben und vorgeschädigt sind. Für diese Personengruppe ist sowohl für die Personen selbst als auch die mit ihnen zusammenlebenden und zusammentreffenden Menschen besonders hohe Vorsicht angeraten - sowohl sorgfältige individuelle Hygiene als auch Zurückhaltung beim Kontakt mit anderen Menschen.

Minister Spahn: Ausbruch verlangsamen

Gesundheitsminister Jens Spahn erklärt in einem Beitrag in BILD, dass der Höhepunkt der Epidemie noch nicht erreicht sei. "Wir erwarten einen weiteren Anstieg der Infektionen. Es wird weitere Einschränkungen unseres Alltags geben. ... Je weniger Menschen sich gleichzeitig anstecken, desto besser kann unser Gesundheitssystem damit umgehen. Oberstes Ziel ist es daher, den Ausbruch zu verlangsamen."

Bis Montagnachmittag wurden vom Robert-Koch-Institut 1139 Infektionsfälle und 2 Todesfälle registriert.


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