Religionsphilosophin der Homophobie bezichtigt


30.04.2009

Religionsphilosophin der Homophobie bezichtigt

AStA der Uni Köln fordert Absetzung wegen Unterstützung der Erklärung "Für Freiheit und Selbstbestimmung"

(MEDRUM) Die Religionsphilosophin Edith Düsing gehört zu den Unterstützern der Erklärung "Für Freiheit und Selbstbestimmung", die von mehr als 370 Bürgern und Persönlichkeiten aus Sorge um die Freiheit der Rede- und Wissenschaft unterzeichnet wurde. Deswegen wird der Professorin, die an der Uni Köln und der Freien Theologischen Hochschule Gießen lehrt, jetzt vom AStA der Universität Köln "Homophobie" vorgeworfen.

Die Unterzeichner der Erklärung "Für Freiheit und Selbstbestimmung" treten Forderungen entgegen, Seminarveranstaltungen verschiedener Referentinnen und Referenten beim 6. Internationalen Kongreß Psychotherapie und Seelsorger vom 20. bis 24. Mai 2009 in Marburg abzusagen. Der Kongreß steht unter der Thematik „Identität - der rote Faden in meinem Leben". Einigen Referenten wird der Vorwurf der "Homophobie" gemacht, weil sie sich an anderer Stelle unter anderem auch mit Risiken, Problemen und Fragen der Veränderbarkeit homosexueller Neigungen befassen. Obwohl der Kongreß und die Seminarvorträge sich nicht mit dem Thema Homosexualität befassen, sollen sie aber deswegen beim Kongreß keine Seminarvorträge zum Thema "Identität" halten dürfen, wie insbesondere der Lesben- und Schwulenverband, die hessischen Grünen und ein Marburger Aktionsbündnis fordern. Das Marburger Aktionsbündnis hat sogar die Forderung aufgestellt, den gesamten Kongreß abzusetzen und keine Räume an der Marburger Universität bereitzustellen. "Kein Raum für Sexismus, Homophobie und religiösen Fundamentalismus", so der Aufruf des gleichnamigen Aktionsbündnisses.

Eine Hauptrednerin des Kongresses ist die Professorin und Religionsphilosophin Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz. Sie hält den Einführungsvortrag zum Thema "„Sich finden und sich verlassen. Vorsicht vor dem nur identischen Ich". Gerl-Falkovitz ist Inhaberin des Lehrstuhls für Religionsphilosophie und vergleichende Religionswissenschaft an der Technischen Universität Dresden. Auch diese Professorin wird vom Marburger Aktionsbündnis kritisiert, weil sie Mitglied des Beirates der Offensive Junger Christen (OJC) ist, der "fundamentalistische Bibelauslegung, Absolutheits- und Missionierungsanspruch" vorgeworfen werden.

In ihrer Erklärung "Für Freiheit und Selbstbestimmung" widersprechen die Unterzeichner den Verurteilungen des Kongresses und einzelner Redner und stellen unter anderem fest: "Niemand bestreitet die Würde von Menschen mit homosexueller Orientierung und ihre persönliche Freiheit, eine homosexuelle Lebensweise zu praktizieren. Es gibt aber Menschen, die unter ihrer sexuellen Orientierung leiden und therapeutische Hilfe suchen. Wie wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, birgt praktizierte Homosexualität ein erhebliches gesundheitliches und psychisches Risiko. Dazu zählen überdurchschnittliche Anfälligkeit für AIDS, Geschlechtskrankheiten, Depression, Ängste, Substanzenmissbrauch (Alkohol-, Medikamente und Drogen) und Suizidgefährdung." Weiter wird in der Erklärung darauf verwiesen, dass international ausgewiesene Wissenschaftler und klinische Therapeuten mit ihrer Arbeit bezeugen, dass Veränderung einer homosexuellen Neigung möglich sei und dass Menschen, die Hilfe in Konfliktlagen suchen, Hilfe nicht verweigert werden dürfe.

Wie Kölns Internetzeitschrift schreibt, sieht der AStA der Kölner Universität in diesen Feststellungen eine diskriminierende und homophobe Behauptung, die "scheußlich" und "verwerflich" sei. Der AStA der Universität zu Köln verurteile die "pseudo-wissenschaftliche Verbreitung diskriminierender und homophober Behauptungen aufs schärfste", so die Internetzeitschrift. "Zu behaupten, Homosexualität sei umerziehbar, ist scheußlich und verwerflich,“ habe dazu der AStA-Vorsitzende Christian Poell erklärt. Der Referent für Antidiskriminierung des AStA, Andreas Weber wird mit der Äußerung zitiert: „Der AStA kämpft für eine Gesellschaft frei von Homophobie, Sexismus und Diskriminierungen – Professorin Düsing ist so nicht mehr haltbar.“

In der vom AStA kritisierten Erklärung werden mehrere Quellen genannt, die über gesundheitliche Risiken der Homosexualität Aufschluß geben. In der Anmerkung dazu heißt es: "siehe unter anderen: Epidemiologisches Bulletin, Ausgabe A/2008, S. 14, hrsg. vom Robert Koch Institut 13353 Berlin; Sandfort, T. et al., Same-Sex Sexual Behavior and Psychiatric Disorders: Findings from the Netherlands Mental Health Survey and Incidence Study, Arch. Gen. Psychiatry, 2001, 58, 85-91; Fergusson, D.M., et al., Sexual orientation and mental health in a birth cohort of young adults, Psychological Medicine 2005, 35, S. 971-981." In der Erklärung wird ferner auf internationale Experten wie Prof. Dr. Robert Spitzer von der Columbia Universität hingewiesen, die sich mit der Veränderbarkeit homosexueller Neigungen beschäftigen.

Weshalb der AStA die Erwähnung solcher Risiken und wissenschaftlichen Befunde als "scheußlich" und "verwerflich" ansieht und deswegen den Unterstützern der Erklärung den Vorwurf der Homophobie macht, geht aus dem Artikel von Kölns Internetzeitschrift nicht hervor.  Eine Stellungnahme der Religionsphilosophin Düsing zu den Vorwürfen liegt nicht vor. In der kritisierten und von ihr unterstützten Erklärung wird jedoch festgestellt: "Diese Frage­stellungen sind aber weder von Intoleranz, noch neurotischer Angst oder gar von Hass geleitet, sondern von Verantwortung für die junge Generation und Sorge um die Zukunft der Gesellschaft.

In der Erklärung heißt es weiter: "Wir halten es aus diesen Gründen für dringend notwendig, dass alle Referenten die geplanten Veranstaltungen durchführen können und den Kongreßteilnehmern ein uneingeschränkter fachlicher Dialog ermöglicht wird."

Der ehemalige Richter des Bundesverfassungsgerichts, Prof. Dr. Ernst-Wolfgang Böckenförde, bezeichnete es in einer Stellungnahme zu den Forderungen und Verurteilungen der Kritiker des Marburger Kongresses als "unerträglich, in einer freiheitlichen Ordnung, die Meinungs- und Wissenschaftsfreiheit gewährleistet, eine öffent­liche Auseinandersetzung darüber zu behindern und einige Personen mit einem Redeverbot belegen zu wollen."

Auch Edith Düsing hat sich mit der Unterstützung der Erklärung gegen die Erteilung derartiger Redeverbote eingesetzt - unbeschadet von der Tatsache, daß das Thema "Homosexualität" wohlgemerkt nicht auf dem Programm dieses Kongresses und seiner Veranstaltungen steht.